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Forschungsprojekt

Horoskop von Nicolaus Copernicus
(Francesco Giuntini, Speculum astrologiae, Lyon 1583, S. 550; Tübingen, UB: 50.2-1)

 

 Versuche der empirischen Validierung und Legitimierung
der Astrologie durch Horoskopsammlungen
im 16. und 17. Jahrhundert

 

Die Wissenschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit bleibt ohne eine Betrachtung der Astrologie über weite Strecken unverständlich. Das Projekt will einen Beitrag zur Erschließung und quellenkundlichen Aufarbeitung dieses historischen Wissenskomplexes im 16. und 17. Jahrhundert leisten, und zwar soll es um ein spezifisches Teilstück des Diskurses über die Legitimierung und Wissenschaftlichkeit der Astrologie, den Versuch einer empirischen Verifikation astrologischer Deutungsmuster mit Hilfe von Horoskopsammlungen, gehen. Hierbei handelt es sich um eine Quellengattung, die bislang nicht systematisch untersucht worden ist. Neben einer komparativen, inhaltlichen Erforschung soll deren Entstehungszusammenhang, wie auch die Position der jeweiligen Autoren im Diskurs um die Legitimation der Astrologie herausgearbeitet und über eine technische Analyse hinaus der Versuch unternommen werden, zu Aussagen über die Motivation der Kompilatoren zu gelangen. Dabei sollen insbesondere konfessionsspezifische Deutungen und Versuche herausgearbeitet werden, astrologische Befunde der jeweils eigenen Konfession dienstbar zu machen. Aus einem systematischen Vergleich des Horoskopbestands sollen Rückschlüsse auf Informationsnetzwerke gezogen werden.

Ein besonderes Augenmerk wird der Horoskopsammlung Johannes Keplers gelten. Es soll ausgeleuchtet werden, wie sich dessen radikales Reformmodell einer astrologischen Physik zu seiner Beratungstätigkeit als Hofmathematiker und „Landschaftsmathematicus“ verhielt und ein Beitrag zu der Frage geleistet werden, welche Ursachen zum Niedergang der gelehrten Astrologie im Verlauf des 17. Jahrhunderts führten, bis diese schließlich aus dem Kreis der anerkannten Wissenschaften ausgeschlossen wurde.

Das Projekt wurde in Jahren 2016–2018 von der Fritz Thyssen Stiftung gefördert.


 

Attempts at Empirical Validation and Legitimization
of Astrology through Horoscope Collections
in the 16th and 17th Centuries

 

The history of science in the Early Modern Period remains incomprehensible to a large extent without taking account of astrology. The project seeks to contribute to the development of this field of knowledge in the 16th and 17th centuries. Attempts to validate and verify astrological interpretations by employing horoscope collections – a specific part of the discourse on the legitimacy and scientific nature of astrology – will be scrutinized. This is a source genre which has not been systematically investigated yet. In addition to a comparative, content-related research, the context of its origin and purpose, the position of the respective authors in the discourse on the legitimacy of astrology will be worked out. From an analysis of different sets of horoscopes conclusions will be drawn concerning the motivation of the compilers, their information networks and possible attempts to utilize this knowledge in different confessional contexts.

Particular attention will be paid to Johannes Kepler’s horoscope collection. The relationship between Kepler’s daily astrological practice and counselling as court mathematician and “Landschaftsmathematicus” and his proposed radical reform of astrological physics shall be examined. To contribute answers to the question why learned astrology, in the course of the 17th century, gradually declined until it was eventually excluded from the sphere of recognized sciences will be another goal.

The project was supported by the Fritz Thyssen Foundation from 2016–18.